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Die Bilanz der ersten sechs Monate ist in den Weltmärkten

überwiegend positiv. Offensichtlich trotzen die Verkaufszahlen

in den wichtigsten Märkten den gestiegenen politischen Risiken

und Debatten im In- und Ausland.

Der Pkw-Inlandsmarkt ist um 3 Prozent auf rund 1,8 Mio. Einhei-

ten gestiegen, die Beschäftigung umfasst 812.000 Mitarbeiter –

das ist der höchste Stand seit 26 Jahren. Produktion und Export

lagen leicht unter dem hohen Vorjahresniveau. Auf den großen

Märkten – USA, China, Europa – hat sich die Wachstumsdyna-

mik der letzten Jahre verringert.

Das ist kein Grund zu Pessimismus, zeigt aber gegen Ende der

Legislaturperiode: Wirtschaftspolitisch besteht weder national

noch international – Stichwort Handelspolitik – Anlass, sich

zurückzulehnen. Deutschland muss in der kommenden Legis-

laturperiode wieder an seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeiten.

Das ist auch für den Automobilstandort Deutschland, gerade

aus Sicht der Zulieferer, unverzichtbar.

Dabei haben wir alle Chancen, unsere starke industrielle Posi-

tion zu behaupten. Die Perspektiven für das Gesamtjahr 2017

sind ordentlich. Der Pkw-Weltmarkt wächst weiter auf 84,5

Mio. Pkw (+2 Prozent). Das ist alles andere als selbstverständ-

lich. Die bisherigen Krisenländer (Brasilien, Russland) erholen

sich langsam. Ihre langjährige Talfahrt ist zumindest vorbei, es

geht wieder voran, allerdings von einem niedrigen Niveau aus.

Die drei großen Märkte – USA, China, Europa – stehen für 70

Prozent des Pkw-Weltmarktes. Der US-Markt bleibt 2017 in

etwa auf dem hohen Niveau des Vorjahres. China legt – nach

einem 18-Prozent-Wachstum im Vorjahr – in 2017 nur etwa um

2 Prozent auf 24,1 Mio. Pkw zu, und nicht, wie noch im Dezem-

ber 2016 prognostiziert, um 5 Prozent. Europa wird mit 15,4

Mio. Pkw den Vorjahreswert leicht überschreiten (+2 Prozent).

Die Märkte profitieren weiterhin von niedrigen Zinsen und

einem ebenfalls niedrigen Ölpreis. Doch andererseits gibt es

international einige erhebliche politische Risiken. Dazu gehört

der Brexit mit all seinen Unsicherheiten und einem ungewissen

Ausgang der Verhandlungen. Dazu gehören handelspolitische

Fragen Europas – in Richtung USA ebenso wie mit Blick auf

China. Erfreulich ist hingegen – nicht nur aus Sicht der Auto-

mobilindustrie – die klare Ansage des neuen französischen

Präsidenten Macron für Europa und eine enge Partnerschaft

mit Deutschland.

In diesem insgesamt schwieriger werdenden Umfeld kommt

der deutschen Automobilindustrie sehr zugute, dass sie welt-

weit aufgestellt ist, mit Fertigungsstandorten in 22 Ländern

außerhalb Deutschlands. Sie hat im vergangenen Jahr 15,8

Mio. Pkw produziert, davon 10,1 Mio. Einheiten im Ausland.

Allein in China liefen 4 Mio. Pkw deutscher Konzernmarken

von den Bändern, in den USA waren es 850.000 Light Vehicles.

Ähnlich international ausgerichtet sind unsere Zulieferer – mit

mehr als 2.200 Auslandsstandorten in rund 80 Ländern. Die

Zahl der Auslandsstandorte hat sich seit Anfang des Jahr-

zehnts um mehr als 40 Prozent erhöht. Für das Gesamtjahr

2017 erwarten wir einen weiteren Anstieg der Auslandspro-

duktion auf 10,4 Mio. Pkw.

Da wir weltweit aktiv sind, ist für uns die jeweilige wirtschaft-

liche Lage in den Regionen natürlich wichtig. Schon heute ist

klar: Das geringere Wachstum des Pkw-Weltmarktes führt zu

einem noch schärferen internationalen Wettbewerb. Hinzu

kommen Risiken wie eine mögliche Neuausrichtung der US-

Handelspolitik, die Folgen des Brexit sowie politische Instabili-

täten, etwa in Brasilien.

Der Wind wird also rauer. Die gute Beschäftigungslage an un-

seren Inlandsstandorten hängt entscheidend von der Export-

stärke unserer Industrie ab. Sie ist nicht naturgegeben. Offene

Märkte und damit eine klare Handelspolitik sind wichtiger denn

je. Exportstärke muss darüber hinaus Tag für Tag neu erarbeitet

werden. Wie groß diese Anstrengungen sind, zeigt eine Zahl:

Die deutsche Automobilindustrie investiert in Forschung und

Entwicklung weltweit 39 Mrd. Euro – doppelt so viel wie vor

zehn Jahren. Ein Drittel dieser Aufwendungen stemmen übri-

gens die Zulieferer.

Editorial

von Matthias Wissmann,

Präsident des Verbandes

der Automobilindustrie

IAA www.iaa.de