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Eine Region, die Jahrzehnte von

Kohle und Stahl geprägt war und

danach stark unter den Folgen

des industriellen Strukturwan-

dels gelitten hatte, hat sich zu ei-

nem Zentrum der europäischen

Automobilindustrie entwickelt.

Was ist das Geheimnis dieser Er-

folgsgeschichte?

Der Grundstein wurde in der Ära un-

ter Ministerpräsident Röder gelegt,

der in den 70er Jahren ein Ford-Mon-

tagewerk nach Saarlouis holte. Somit

konnten die ersten 5.600 Arbeiter,

die damals schon in den Bereichen

des Bergbaus und der Hüttenindust-

rie freigesetzt wurden als Facharbei-

ter weiter vermittelt werden.

Unter der Ära von Ministerpräsident

Lafontaine wurde dann Anfang der

90er Jahre der erste Zuliefererpark

im Saarland, direkt neben Ford, er-

richtet, was wiederum rund 2.500

Menschen eine neue Perspektive auf-

zeigte. Auch eine, und seither auch

die letzte Ansiedlung eines Groß-

unternehmens, eine Alugießerei für

Motorblöcke, mit 2.000 Mitarbeitern

geht auf das Konto von Ministerprä-

sident Lafontaine. Diese damaligen

weitreichenden Entwicklungen haben natür-

lich dazu beigetragen, dass sich auch die klei-

neren schon vorhandenen Zulieferer weiter-

entwickelten und auch die großen (Bosch, ZF,

Michelin u.a.) von dem frei werdenden Fach-

arbeiterstamm der Hütten und des Bergbaus

profitierten.

Ihr Cluster verbindet mit der Saar, Rhein-

land-Pfalz, Luxemburg und der franzö-

sischen Region Grand Est kulturell und

strukturell doch sehr unterschiedliche

Regionen. Was ist der spezifische Beitrag

dieser Regionen zu einer gemeinsam ver-

netzten Industrie?

Die in dieser Region tätigen Unternehmen be-

treiben sogenannte verlängerte Werkbänke,

also reine Produktionswerke mit großer Ab-

hängigkeit von den Mutterhäusern und sind

somit ferngesteuert. Hier ist es wichtig, Qua-

lität und Zuverlässigkeit zu liefern. Auch wird

von den Unternehmen eine immer stärker wer-

dende grenzübergreifende Zusammenarbeit

angepeilt.

Trotz EU bilden nationale Grenzen nach

wie vor Hemmnisse bei der Zusammen-

arbeit. Was konnte Ihr Cluster mit der

Schaffung von grenzübergreifenden

Netzwerkstrukturen zur Verbesserung

der Zusammenarbeit leisten?

Wir kooperieren sehr stark mit den Netzwer-

ken in Frankreich und Luxemburg, um den

Unternehmen in diesen Regionen die Mög-

lichkeit zu eröffnen, bilateral aktiv Kontakte

aufzubauen und somit auch zusammen zu ar-

beiten. Wir leben die grenzüberschreitende

Zusammenarbeit

Wenn Sie die Situation bei Grün-

dung des Automobil-Clusters mit

der heutigen Situation verglei-

chen – was hat sich verändert?

Durch die Gründung des ersten

grenzüberschreitenden Clusters, des

autoregion e.V., hat sich die aktive Zu-

sammenarbeit sehr stark verändert.

Unternehmen nutzen die Netzwerke

als Kontaktplattform untereinander

und grenzüberschreitend. Auch die

im grenznahen Raum befindlichen

Unternehmen in Frankreich suchen

aktiv den Kontakt zu den deutschen

Unternehmen über das Netzwerk.

Auch wird dieses Ansinnen in Frank-

reich durch die Regierung unterstützt.

Welche Bedeutung hat heute die

Automobilindustrie für die Groß-

region?

Die Automobilindustrie ist der größte

Arbeitgeber in der Großregion. Mit

rd. 200.000 Mitarbeitern in rd. 600

Unternehmen wird ein Umsatz von

annähernd 100 Mrd. Euro erzielt.

Die Automobilindustrie steht

mitten im Prozess tiefgreifen-

der Veränderungen. E-Mobilität,

Digitalisierung, Vernetzung, autonomes

Fahren sind die beherrschenden Themen.

Ist die Automobilindustrie in der Groß-

region für diese Veränderungen gerüstet

oder stehen wir vor einer neuen Struk-

turkrise?

Die gesamte europäische, wie die weltweite

Automobilindustrie steht vor einer gravie-

renden Veränderung. Dies wird auch an den

Unternehmen der Großregion nicht spurlos

vorüber gehen. Industrie 4.0 wird zur Zeit in

den Produktionsstätten eingeführt, um dem

Prozess der Zukunft gewappnet zu sein. Bei der

Produktion von „neuen“ Dingen im Bereich

der E-Mobilität oder des autonomen Fahrens

sind die Unternehmen gerüstet. Der Markt be-

stimmt die Zukunft, und auch hier sind die Po-

litiker gefordert, keine „Biertisch-Parolen“ in

die Welt zu setzen, um diesem Industriezweig

Eine grenzübergreifende

Großregion im Aufwind

OEM&Lieferant sprach mit Armin Gehl, Geschäftsführer des autoregion e.V.

Gegründet im Februar 2015 versteht sich der grenzüberschreitend arbeitende Verein autoregion e.V. als ein eigenständig

arbeitendes, komplementär ergänzendes Organ zu den bestehenden Automotivnetzwerken der Großregion Luxemburg,

Saarland, Rheinland-Pfalz und der französischen Region Grand Est. autoregion e.V. wird getragen von Unternehmen,

Verbänden, Forschungseinrichtungen und politischen Institutionen.

autoregion e.V.

Bild: © autoregion e.V.