OEM&Lieferant Ausgabe 1/2018

14 Bild: © BASF Welche Trends werden die Automobilin- dustrie in Zukunft beeinflussen? Die Megatrends der Branche sind Elektromo- bilität und autonomes Fahren. Neben den eta- blierten Herstellern drängen neue Unterneh- men – vor allem aus China – auf den Markt für Elektrofahrzeuge und präsentieren ihre Vision der zukünftigen Mobilität. Es gibt in diesem Segment mehrere Start-ups mit guten Ideen, die auf der Suche nach Partnern sind, die sie mit technischen Lösungen unterstützen kön- nen. Um eine möglichst große Reichweite er- zielen zu können, brauchen Elektrofahrzeuge intelligente Wärmemanagement-Systeme und Leichtbau-Lösungen, was neue Substrate und Multisubstrat-Kombinationen für den Einsatz im Karosseriebau hervorbringt. Beim autono- men Fahren wird die Sensortechnologie wie Ra- dar und Lidar neue Herausforderungen an den Lack stellen. Wir arbeiten eng mit den OEMs zusammen, um Systeme zu entwickeln, die den Einsatz solcher Sensoren weiter optimieren. Welche Auswirkungen haben neue Subs- trate und Multisubstrat-Kombinationen auf die Lackindustrie? Durch den Einsatz von Multisubstrat-Kombi- nationen im Fahrzeugbau ergeben sich neue Herausforderungen und Anforderungen für den Lack und das Lackierverfahren. Das be- trifft zum Beispiel den Elektrotauchlack, der für den Korrosionsschutz der Karosserie ent- scheidend ist. Mit unserem Elektrotauchlack der neuesten Generation bieten wir bereits ein innovatives Produkt an, das eine gleichmä- ßige Schichtdicke auch auf Multisubstraten und eine hohe Effizienz bei den Prozesskosten gewährleistet. Um künftige Anforderungen erfüllen zu können, entwickeln wir unsere Technologie ständig weiter. Bei den OEMs wer- den bereits Multisubstrat-Karosserien gebaut. Elektro- und Hybridfahrzeuge machen heute erst einen Bruchteil des Marktes aus, der in Zukunft aber wachsen wird. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Multisub- straten im Markt weiter steigt. Wo sehen Sie in der Automobilindustrie das größte Potenzial in Bezug auf Nach- haltigkeit? Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, an das wir als BASF-Gruppe ganzheitlich herangehen. Wir haben umweltfreundliche Autolacklösun- gen, wie die zinnfreien Elektrotauchlacke, ent- wickelt und unsere Lacktechnologien auf Was- serbasis verbessert. Unser Schwerpunkt liegt nach wie vor auf der weiteren Optimierung die- ser Systeme. Die Reduzierung des Anteils der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) stellt zudem den Standard bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen dar. Dieser Trend ist in China stark zu beobachten, bleibt aber auch für andere Regionen ein wichtiges Thema. Wir analysieren auch ganze Lackierprozesse im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, weil der gesamte La- ckiervorgang zu berücksichtigen ist. In enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden haben wir das Verhältnis zwischen unseren Produk- ten und den individuellen Verfahren in ihren Lackieranlagen optimiert. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Energieeinsparung: Die Einfüh- rung verkürzter und integrierter Prozesse, die zum Wegfall eines kompletten Verfahrens- schrittes führen – und die Umweltbelastung dadurch deutlich verringern – ist bei unseren Kunden ein fortwährender Prozess. Sehen Sie Potenzial für weitere Verbesse- rungen von Lackierverfahren? Derzeit ist ein großes Interesse unserer Kun- den an sogenannten Low-Bake-Prozessen zu beobachten. Bei diesen soll die Einbrenntem- peratur beim Lackieren gesenkt werden, um eine höhere Flexibilität bei der Lackierung von Substraten wie zum Beispiel von Karbonfaser oder Kunststoffteilen zu ermöglichen. Bei niedrigeren Einbrenntemperaturen können potenziell alle Teile mit dem gleichen Verfah- ren und der gleichen Lackieranlage beschich- tet werden. Dadurch könnten die Hersteller neue Fertigungs- und Montagekonzepte ent- wickeln. Ein weiterer Effekt niedriger Einbrenn- temperaturen ist die Energieeinsparung, denn Trockenöfen zählen zu den energieintensivsten Bestandteilen des gesamten Lackiervorgangs. Gibt es spezielle Trends für Fahrzeuglacke? Die Funktionalität von Lacken nimmt zu. Wir haben zum Beispiel ein funktionelles Lacksys- tem mit passiver Temperaturmanagement- Technologie entwickelt, das bereits mit ver- schiedenen Preisen ausgezeichnet worden ist. Die Zusammensetzung des Lacks senkt an heißen Sommertagen die Temperatur an der Fahrzeugoberfläche um bis zu 20 °C. Die Einsparung an Energie, die sonst zur Klimati- sierung benötigt würde, senkt den Kraftstoff- verbrauch oder erhöht die Reichweite von Elektrofahrzeugen. n Neue Substrate und zunehmende Funktionalität von Lacken: BASF analysiert die Trends für Fahrzeugserienlacke Interview mit Dr. Ralf Otte, Leiter Marketing Fahrzeugserienlacke EMEA des Unternehmensbereichs Coatings der BASF Technologie, Werkstoffe, Design – was Trends angeht, ist die Automobilindustrie richtungsweisend und greift Innovationen aus unterschiedlichen Segmenten auf. Als führender Lieferant von Chemikalien für die Automobilindustrie bietet BASF den Herstellern das erforderliche Know-how an, um Lösungen für die Mobilität der Zukunft zu finden. Im folgenden Interview beleuchtet Dr. Ralf Otte, Leiter Marketing Fahrzeugserienlacke EMEA des Unternehmensbereichs Coatings der BASF, die wichtigsten Trendfaktoren. Produkte und Märkte BASF Coatings Division www.basf-coatings.com Webseite Dr. Ralf Otte

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