Seite 37 - CeBIT_2012

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UNTERNEHMEN & TRENDS 
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sind) angepasst werden. Dabei bedeu-
tet die Lokalisierung einer Software ei-
nen enormen Aufwand sowohl für den
Softwarelieferanten als auch für den
Kunden. Doch auch die IT-Unternehmen
entdecken im Ausland zunehmend neue
Absatzmärkte und bereiten sich auf ein
internationales Geschäft vor. Davon pro-
fitieren auch ihre deutschen Kunden.
Die Internationalisierung eines Unter-
nehmens ist eine weitreichende, strate-
gische Entscheidung. Der technischen
Aufrüstung des Produkts gehen die
Marktanalyse und Festlegung der Un-
ternehmensziele voraus. Welche Län-
der bieten Potenziale für eine effiziente
Marktbearbeitung? Welche Unterneh-
men sollen dort angesprochen werden?
Wie ist der Markt hinsichtlich der Unter-
nehmensgrößen und Branchen struktu-
riert? Wie sieht die Wettbewerbssitu-
ation in den entsprechenden Ländern
aus? Welche kulturellen Besonderheiten
müssen beim Marktangang und später
bei der Lokalisierung beachtet werden?
Welche gesetzlichen Gegebenheiten
müssen berücksichtigt werden? Kann
ich meine Produkte dort selbst vertrei-
ben, oder organisiere ich den Vertrieb,
Service und Aftersales über Partnerfir-
men? Diese und weitere Fragen müssen
zufriedenstellend beantwortet werden
um sich der unternehmerischen Aufga-
be „Internationalisierung“ zu stellen.
Unicodefähigkeit
Entscheiden sich IT-Anbieter für eine in-
ternationale Strategie, wird das Produkt
nicht mehr nur in einem konkreten Fall
angepasst, sondern so entworfen, dass
es global angeboten werden kann. Ef-
fizient ist eine Internationalisierung nur
dann, wenn die technischen Voraus-
setzungen geschaffen werden, um die
beschriebene, komplexe Lokalisierung
des Produkts signifikant zu vereinfa-
chen. Kern der Internationalisierung
einer Software ist die Bereitstellung
von Unicode. Nicht nur die Oberflächen
stehen dann mehrsprachig zur Verfü-
gung, sondern auch die Dateninhalte,
die in Abhängigkeit von der beim Login
gewählten Sprache angezeigt werden.
Zudem können neben den internen Un-
ternehmenssprachen beliebig viele
Transaktionssprachen zur Kommunika-
tion mit Kunden und Lieferanten einge-
richet werden. Die Dokumentenverwal-
tung stellt alle Dokumente in beliebigen
Formaten, an allen Objekten und in jeder
eingerichteten Sprache bereit.
Mehrwerkefähigkeit
Darüber hinaus gibt es weitere Funkti-
onalitäten, die ein ERP-System erfüllen
sollte, um der Internationalisierung der
Märkte gewachsen zu sein. Denn Un-
ternehmen verschiedenster Branchen
entwickeln sich durch die Expansion
ins Ausland immer mehr auch selbst zu
globalen Netzwerken. Eigene Stand-
orte werden durch Produktions-, Han-
dels-, Service- und Vertriebsorganisati-
onen im In- und Ausland ergänzt. Die
Folge: mittelständische Unternehmen
haben immer häufiger Strukturen, wie
sie bisher nur von Konzernen bekannt
waren. Eine effiziente Koordination der
Wert- und Materialströme ist mehr denn
je der Schlüssel zum langfristigen Erfolg.
Mit einer ausgereiften Mehrwerkesteu-
erung des ERP-Systems ist ein Unter-
nehmen in der Lage, seine Prozesse
standortübergreifend zu lenken. Wer-
ke, die aus mehreren, auch räumlich
getrennten, Einheiten bestehen, kön-
nen auf diese Weise organisatorisch
und dispositiv in einem oder mehreren
logistischen Unternehmen zusammen-
gefasst werden. Das Handicap zwi-
schen der geografischen Trennung und
durchgängiger Geschäftsprozesse wird
so vollständig eliminiert. Auch die kom-
merzielle Struktur sollte unabhängig
von der logistischen Struktur des Un-
ternehmens gestaltet werden können.
Auf diese Weise wird internationalen
Aspekten des Finanzwesens Rechnung
getragen, ohne die logistischen Einhei-
ten in ihrer Funktion zu beeinträchti-
gen. Das Gleiche gilt für Vertriebsakti-
vitäten. Sie sollten nach geografischen,
produktspezifischen oder strukturellen
Gesichtspunkten flexibel gestaltbar
sein und bspw. in mehrere Vertriebs-
einheiten dezentralisiert oder in einem
Zentralbereich gebündelt werden kön-
nen.
Die globalen Aktivitäten der Unterneh-
men konzentrieren sich nicht nur auf die
Absatzmärkte. Strategische Aspekte in
der Beschaffung spielen eine zuneh-
mende Rolle. Einkaufsorganisationen
werden durch zentrale Services unter-
stützt. Bedarfe mehrerer Standorte
können zusammengefasst werden und
Skaleneffekte werden erreichbar.
Zentralistisches
Systemkonzept
Die Führung überregional aktiver Unter-
nehmen stellt besondere Anforderun-
gen an das Controlling und die Steue-
rung der logistischen Prozesse und
Werteflüsse. Zu jedem Zeitpunkt soll es
möglich sein, einen aktuellen Überblick
über das Unternehmensgeschehen zu
erhalten.
Eine Möglichkeit zur Lösung dieser an-
spruchsvollen Führungsaufgabe bietet
ein zentralistisches Systemkonzept.
Alle Daten liegen an einem Ort vor
und können ad-hoc analysiert werden.
Komplizierte Workflows zur Bereitstel-
lung von wichtigen Unternehmensdaten
können so entfallen. Die Überwachung
aller Wertschöpfungsprozesse und das
Reporting werden erleichert. Ein wei-
terer Aspekt ist die Unterstützung bei
der Steuerung der Unternehmen durch
geeignete Funktionen der ERP-Systeme.
Dazu gehören neben automatisierten
Prozessen für die Abwicklung der logis-
tischen Aufgabenstellungen auch einfa-
che Übersichten zu Materialbeständen,
Aufträgen und Status, Auslastung oder
zu erwartende Cash-Flows. Die Prozess-
sicherheit und –geschwindigkeit kann
deutlich gesteigert werden.
Vorteilhaft ist daneben die vereinfachte
Administration solcher Systeme. Res-
sourcen brauchen nur an einem Ort
vorgehalten werden. Die Anbindung
der Standorte erfolgt mittels Internet
und kann durch Terminalserverlösungen
weiter vereinfacht werden. Zusätzlich
trägt dies den heutigen gesteigerten
Sicherheitsbedürfnissen Rechnung.
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