Seite 34 - CeBIT_2012

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 UNTERNEHMEN & TRENDS
Laut Wirtschaftsinformationsdienst Da-
tabyte ist fast die Hälfte aller Führungs-
kräfte zwischen 40 und 54 Jahre alt.
Etwa zwölf Prozent der über eine Million
Menschen in der ersten Führungsebene
haben mit über 65 Jahren bereits das
Rentenalter überschritten. Der Nach-
wuchs der unter 40jährigen liegt nur bei
16 Prozent. Das weibliche Geschlecht ist
mit rund 17 Prozent noch immer deutlich
unterrepräsentiert, jedoch in jüngeren
Unternehmen mit 23 Prozent stärker
vertreten.
Was heißt das für Führungskräfte mit
ihrem Erfahrungsschatz jenseits der
50? Es zeigt zunächst, dass viele mit
50+ mitten im Job stehen und wichtige
Aufgaben für ihre Unternehmen erfüllen.
Fach- und Führungskräfte in diesem Al-
ter sind also unverzichtbar für unsere
Wirtschaft. Doch wie sieht es aus, wenn
jemand in diesem Alter seinen Job ver-
liert oder gerne aktiv wechseln möchte?
Gehört er dann zum alten Eisen?
Es gibt – zum Glück – einen Wandel im
Denken und damit beim Einstellungs-
verhalten vieler Unternehmen: Erfahre-
ne Manager sind bei Neubesetzungen
wieder beliebter geworden. Es gibt
also wieder gute Chancen für ältere
Führungskräfte, die oft als nicht mehr
vermittelbar galten. Unternehmen ha-
ben erkannt, dass ältere Führungskräfte
einen hohen Nutzen bieten können. Und
das für eine lange Zeit, denn Führungs-
kräfte treten in aller Regel später in den
Ruhestand als der Durchschnitt. Eine
Führungskraft im Alter von 50 Jahren
hat durchaus noch 15 Jahre und mehr
Schaffenszeit – zumeist auch Schaffens-
kraft und Schaffenslust.
Es kommt wie für jeden Bewerber auch
bei den „Um-die-50-Bewerbern“ auf die
richtige Strategie zur Selbstvermark-
tung an: Jeder Bewerber muss sich
fragen, wonach ein Unternehmen seine
Mitarbeiter auswählt. In erster Linie geht
es darum, was ein Bewerber bisher be-
wegt und erreicht hat, welchen Nutzen
er für seinen vorherigen Arbeitgeber er-
bracht hat und für das eigene Unterneh-
men bringen kann. Es geht um konkrete
Erfolge und harte Fakten, wie Kosten-
senkungen, Umsatz- oder Gewinnstei-
gerungen und andere messbare Vorteile,
die den Unternehmenszielen dienen.
Führungskräfte um die 50 haben häu-
fig Erfolge und Nutzen vorzuweisen.
Das gilt bei der Bewerbung nachzuwei-
sen. Das zweite Erfolgskriterium für die
Bewerbung der um die 50jährigen ist:
die Bearbeitung des richtigen Marktes.
Rund 80 Prozent der offenen Stellen
werden ohne öffentliche Ausschreibung
besetzt, insbesondere Führungspositio-
nen. Diese „verdeckten Stellen“ werden
von den Unternehmen durch professi-
onelle Initiativbewerbungen vergeben
und von den Bewerbern für die eigene
Karriere genutzt.
Unsere Gesellschaft frönt überwiegend
noch immer dem Jugendwahn. Face-
book, Twitter und Co. vermitteln das
Gefühl, nur die Jugend hätte eine Zu-
kunft. Die wachsenden Chancen der um
die 50jährigen zeigen aber, dass Jugend
eben nicht alles ist und nicht das ent-
scheidende Kriterium, wenn es um den
Zuschlag für einen neuen Job geht.
n
Chancen für 50+ im Zeitalter
des Fachkräftemangels
Von Dr. Jürgen Nebel, Nebel Karriereberatung, Wiesbaden
Der Fachkräftemangel und damit auch der Mangel an erfahrenen Kräften ist ein großes Thema in Gegen-
wart und Zukunft. Fach- und Führungskräfte drohen Mangelware zu werden.
Dr. Jürgen Nebel ist Karriereberater und Karrierecoach für Führungskräfte in Wiesbaden.